Damit Ausbildung kein Privileg mehr ist
19.03.2026 |
Misereor-Gast aus Kamerun berichtet in Erzdiözese Freiburg über Projekt in Douala
Freiburg. Anderswo planen Gleichaltrige ihre Zukunft, und in Kamerun stehen viele Jugendliche vor großen Herausforderungen im Alltag: Der Zugang zu Ausbildung, Arbeit und verlässlichen Zukunftsmöglichkeiten ist für die meisten versperrt. In der Millionenstadt Douala fehlen vielen jungen Menschen stabile berufliche Wege. Arbeitslosigkeit sowie Perspektivlosigkeit führen manche in Verzweiflung und können dazu beitragen, dass einige in riskante oder unsichere Lebenssituationen geraden, geprägt von Gewalt oder Korruption.
Genau hier knüpft die Fastenaktion von Misereor an. Am 22. März 2026 ruft das Hilfswerk zur Kollekte auf, um die Lebensbedingungen benachteiligter Menschen nachhaltig zu verbessern. Unter dem Leitwort „Hier fängt Zukunft an“ richtet sich der Fokus besonders auf Jugendliche in Kamerun, für die Bildung noch immer ein unerreichbares Privileg ist.
Kurse, die Mut machen
Denn eine Berufsausbildung muss dort oft selbst finanziert werden, was für viele Familien schlicht unmöglich ist. Die Folgen sind dabei gravierend: geringe Chancen auf Ausbildung, hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven für eine überwiegend junge Bevölkerung, deren Mehrheit unter 35 Jahre alt ist – und damit eigentlich die Zukunft des Landes. Für viele entscheidet nicht allein Talent oder Einsatz über den Lebensweg, sondern auch die finanziellen Möglichkeiten einer Familie. Geld, das fehlt, und das oft darüber entscheidet, welche Bildungswege überhaupt offenstehen.
Hier setzt die Zusammenarbeit von CODAS Caritas Douala und Misereor in der Millionenstadt Douala an. Ziel ist es, jungen Menschen eine selbstbestimmte Zukunft zu ermöglichen. Dadurch entstehen neue Wege: Werkstätten, in denen gelernt wird, Kurse, die Mut machen, und konkrete Unterstützung, die trägt. Junge Menschen entdecken ihre Fähigkeiten, entwickeln eigene Ideen, gründen kleine Unternehmen und übernehmen Verantwortung für ihr Leben.
Philippe Leumbou Ngako: Es geht um Schicksale
Wie sehr diese Projekte Leben verändern, zeigt Philippe Leumbou Ngako. Der Bildungsexperte aus Kamerun ist derzeit in Deutschland unterwegs – unter anderem in Freiburg, Pforzheim und Karlsruhe – und berichtet aus erster Hand von der Lage in seiner Heimat. Für ihn geht es nicht um abstrakte Zahlen, sondern um einzelne Schicksale. Täglich begegnet er Jugendlichen, die ohne Unterstützung kaum eine Chance hätten und erlebt zugleich, wie sich ihr Leben durch die Bildung grundlegend verändert.
Er erzählt von jungen Menschen, die dank der Projekte ihren eigenen Weg gehen: Eine junge Frau führt heute ein eigenes Geschäft und unterstützt ihre Familie, ein junger Mann arbeitet nach seiner Ausbildung in einem gehobenen Restaurant. Für Ngako sind das keine Einzelfälle, sondern der Beweis, dass konkrete Hilfe wirkt und Strahlkraft besitzt. Herausforderungen wie Armut oder fehlende Orientierung können so Schritt für Schritt überwunden werden.
Riskante Lebenssituationen
Die Jugendlichen erhalten Begleitung dabei, ihre Situation selbst zu verändern und gewinnen Würde, Halt und die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Denn ohne Perspektive entsteht oft Verzweiflung - und Verzweiflung kann zerstörerisch wirken. Ngako benennt deutlich, welche prekären und teils riskanten Lebenssituationen entstehen können, wenn Ausbildungs- und Einkommensmöglichkeiten fehlen.
Die Fastenkollekte ist deshalb weit mehr als ein einfacher Spendenaufruf. Sie ist ein Appell an Menschlichkeit. Ein Aufruf, nicht wegzusehen. Und eine Chance, konkret zu helfen. Denn jede Spende bedeutet mehr als finanzielle Unterstützung. Sie bedeutet Hoffnung. Sie bedeutet Würde. Sie bedeutet Zukunft. Oder anders gesagt: Zukunft beginnt genau dort, wo wir heute handeln – und einem jungen Menschen zeigen, dass sein Leben zählt.
(ls)















